Pastoralbesuch im Schweiz 2016

Pastoralbesuch im Schweiz 2016

Bericht zum Pastoralbesuch von Mgr Raphaël Steck in der Schweiz vom 11.-13. März 2016

Erwartungsvoll bin ich in Begleitung von Nathalie am Freitagabend des 11. März in Zürich angekommen, wo uns Sr. Birgit an der grossen Bahnhofsuhr abholte. Gemeinsam fuhren wir noch eine kurze Strecke mit Zug und Bus bis Adliswil und trafen gegen 19 Uhr in der Mission zur Hl. Dreifaltigkeit ein, wo uns Jürg und Christina bereits erwarteten.

Die Liturgie der Vesper nach gallikanischem Ritus gestaltete sich feierlich und schön. Weil der Freitagabend-Gottesdienst dem Shabbat geweiht ist, bot es sich an, das anschließende Essen mit dem Anzünden der Kerzen durch Nathalie und der Shabbat-Segnung über Brot und Wein zu beginnen. An dieser Stelle einen großen Dank an Christina für das feine Gschwellti, bestehend aus Kartoffeln, Käse und Salat.

Endlich erreichten wir gegen 23 Uhr Nidelbad, wo wir sogleich in den wohlverdienten Schlaf sanken.

Die 8 Uhr-Glocke, die zum Morgengebet der Gemeinschaft ruft, weckte mich und kündigte den ersehnten „grossen“ Samstag an. Wir stärkten uns mit einem reichhaltigen traditionell deutschen Frühstück und grüßten währenddessen die Mitglieder der Gemeinschaft, die vorbeikamen. Bis zur Ankunft des Klerus spazierten wir noch etwas im Park.

Nidelbad Mars 2016

Gegen 9 Uhr fand sich dann der Klerus in der Sakristei ein, nachdem wir den wahren Herrn dieses Ortes in der Kapelle begrüsst hatten. Freudig bereiteten wir alles vor und empfingen die ankommenden Gottesdienstteilnehmer: Mitglieder der gallikanischen Kirche Schweiz, Brüder und Schwestern der Gemeinschaft Nidelbad, ein befreundeter römisch – katholischer Priester sowie eine Vertreterin der christkatholischen Kirche. Was mich betraf, so schlug mein Herz immer höher, wenn ich daran dachte, an welch symbolträchtigen Ort wir feiern durften, an demselben Ort nämlich, an dem bereits meine Vorgänger feierten. Erst recht schlug mein Herz als man mir ein Foto mit dem ehrwürdigen gallikanischen Patriarchen Mgr Giraud zeigte, das 1946 in Nidelbad aufgenommen wurde. Und als der Leiter der Gemeinschaft mir vorschlug, den Bischofsstab des Gründers von Nidelbad, Mgr Haug, zu benutzen (auf einem Foto von 1934 sieht man Mgr Giraud mit demselben Stab), hüpfte geradezu mein Herz.

    

Gegen 10 Uhr zog die Prozession in die katholische Kapelle ein, an deren Altar wir die Heilige Messe auf Deutsch und Französisch feierten. Mit Inbrunst wurde gesungen und gebetet. Sr. Birgit übersetze meine Predigt zum Thema “wie lieblich ist es wenn Brüder in Eintracht miteinander wohnen. Einheit als Voraussetzung für das Kommen des Reiches Gottes.” simultan. 

Predigen Bischof Raphaël


Ungeachtet der Kirchenzugehörigkeit, erhielten alle die Hl. Kommunion, die somit zum sichtbaren Zeichen der Einheit wurde. Vor dem Schlusssegen sangen wir zu Ehren von Vater Patrick Scheiner, der am gleichen Tag Geburtstag hatte, das „Ad multos annos“ und beteten danach das Gebet für die Kirche Schweiz (das alle christlichen Konfessionen einschloss). Sr. Birgit spendete anschliessend den Krankensegen, mit mir im Hintergrund während Br. Jürg unserer Tradition gemäss den Bischofsstab zu meiner Seite hielt. 

 

Um 11.30 Uhr bewegte sich die Prozession in Richtung “Familienraum”. Mitsamt den Geistlichen rief die Versammlung vor dem Thron der Wiederkunft Christi dreimal das “Maranatha”, um die Wiederkunft des Herrn herbeizuführen. Die Prozession endete schliesslich auf dem Vorplatz, wo Christian Würgler ein Glockenspielkonzert zum Besten gab. Musikalisch stach das “Happy Birthday ” hervor, das er zu Ehren von Vater Patrick spielte. 


 

Nach dem kurzen, aber intensiven Mittagsgebet der Gemeinschaft, fanden wir uns im Speisesaal zu einem gemeinsamen Mittagessen ein. Zu unserer freudigen Überraschung sangen wir zum Gruß an den “Bischof der gallikanischen Kirche und sein Gefolge” (Schelker) ein französisches Lied als Tischgebet.

 

Das Mahl war einfach, aber sehr gut und reichlich. Das gleiche Menu wurde einmal in vegetarischer Form, für diejenigen, die die Fastenregeln beobachten oder Vegetarier sind, serviert und für die Übrigen mit Fleisch.

 

Alle blieben recht lange, um sich auszutauschen. Ich konnte mich kaum noch auf dem Stuhl halten als ich mit großem Erstaunen die unveröffentlichten Archive der gallikanischen Kirche entdeckte und die enge Beziehung der beiden Gemeinschaften am Beginn des 20. Jh., wie mir Marco Würgler eröffnete. Die modernen Hilfsmittel sind da sehr nützlich: Freudig nahm ich eine Kopie des Archives auf meinem Labtop mit. 

 

Nachdem ich mich von allen geladenen Gästen verabschiedet hatte, die sich dann wieder auf den Heimweg machten, erkundeten wir bei einem Spaziergang die Altstadt von Zürich bevor wir abends Vater Patrick trafen um mit ihm, Christina, Birgit, Jürg und Nathalie gemeinsam seinen Geburtstag bei einem feinen Essen zu feiern und so den Tag ausklingen zu lassen.

 

Am Sonntagmorgen ruhten wir uns aus, kauften im Laden der Gemeinschaft Souvenirs ein, spazierten im Park und besichtigten den Dorffriedhof, um an den Gräbern der bereits Verstorbenen zu beten. Schließlich möchte ich alle grüßen, die mit ihrer ergreifenden Herzlichkeit Nidelbad zu einem Ort machen, in dem man sich zu Hause fühlt. 

Am Mittag trafen Nathalie und ich Sr. Birgit wieder, um mit ihr zusammen in einer typischen zürcherischen Beiz zu Mittag zu essen bevor wir gemeinsam das Landesmuseum besichtigten, um die Geschichte der Schweiz zu erkunden. 

Um 16 Uhr schließlich war der Moment des Abschieds gekommen: mit wunderbaren Erinnerungen und dem Versprechen, bald wiederzukommen, fuhren wir heimwärts. Ich habe vor, bereits am Ende dieses Sommers für ein paar Einkehrtage nach Nidelbad zu kommen. Der nächste Pastoralbesuch in der Schweiz inklusive Subdiakonatsweihen von Sr. Birgit und Br. Jürg findet vom 31.3 – 2.4.2017 statt. 

Ein grosses Dankeschön an alle für den wunderbaren Empfang in der Gemeinschaft. 

+ Mgr Raphaël

14. März 2016